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Seminarkurs

Historische Migration am Justinus-Kerner-Gymnasium Weinsberg Schuljahr 2010/11

Weinsberg, den 10.06.2011

Die Auswanderung ist ein Vorgang von solchem Ausmaß, dass sie für die Lebensweise der Menschheit ein neues Zeitalter einleitet. Jede Familie wird, derjenigen Abrahams gleich, danach Ausschau halten, auf welchem Teil der bewohnbaren Erde sie sich niederlässt, um den Ort zu finden, wo die Lebensgewohnheiten den Wünschen am ehesten entsprechen. Die Bevölkerung wird sich – wie der Markt – daran orientieren, wo das Leben den höchsten Wert, die größte Sicherheit und die längste Dauer hat, und die Mehrheit wird lernen, die Minderheit zu respektieren.

Essex Register, 21.8.1816

Dieser Zeitungsartikel – knapp 200 Jahre alt, beschreibt einen historischen Prozess, der unsere Geschichte entscheidend geprägt hat.
Migration gibt es, seit es Menschen gibt. Zuwanderung und Auswanderung, Separation und Integration, kulturelle Abgrenzung, multikulturelles Zusammenleben und Akkulturation prägen die europäische Geschichte genauso wie die Weltgeschichte.
Mit diesem gerade heute wieder aktuellen Thema befassten sich im Schuljahr 2010/11 siebzehn Schülerinnen und Schüler der Kursstufe in einem der beiden Seminarkurse, die in die Methodik wissenschaftlichen Arbeitens einführen sollen.
Jede Schülerin, jeder Schüler wählte sich ein Fallbeispiel, recherchierte und fasste die Ergebnisse in einer Seminararbeit zusammen. Ein Großteil der Themen hat einen regionalen Bezug, denn Nordwürttemberg gehörte im 19. Jahrhundert zu den klassischen Auswanderungsregionen, wie auch Zuwanderung diese Region geprägt hat und heute noch prägt.
Im Zentrum standen Fragen wie: Was führte die Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen? Wie wurden sie aufgenommen? Wie gestaltete sich das Zusammenleben von Einheimischen und Zuwanderern?
Die vorliegende Dokumentation soll einen Einblick in die Vielfalt der bearbeiteten Themen bieten.

Alexander Spöri:
Die Waldenser von Nordhausen
Ein Leben zwischen erzwungener Integration und Tradition

Franziska Wölfl
Australien - Gründungsmythos First Fleet

Viviane Niespor
Auswanderung im 18. Jahrhundert nach Nordamerika – Gottlieb Mittelbergers Bericht: Reise nach Pennsylvanien im Jahr 1750 und Rückreise nach Teutschland im Jahr 1754

Kristina Epple
Handbücher für Auswanderer nach Nordamerika
Innerhalb der Jahre 1818-1851

Selina Heim
Eine erzwungene Auswanderung
anhand des Fallbeispiels Gottlieb Rau

Daniela Federsel
Adolf Cluss Goes America
Ein Deutscher gestaltet Washington

Angelika Kircher
Wilhelm Pfänder- Ein Turnpionier aus Heilbronn in Amerika

Amelie K. Hofmann
Die Amisch - Glückliches Leben in Separation

Maximilian Reinhardt
Der Charakter der jüdischen Migration nach Palästina

Carolin Engelhardt
Alltag, Auswanderung und Integration von Juden aus Deutschland während des Nationalsozialismus am Beispiel Lilo Guggenheims

Nadja Roger
Emigration der deutschen Juden zur Zeit des Dritten Reichs
Für viele ein Fluch, für wenige eine Segen

Sarah Hanke
Roma im Nationalsozialismus - Gipfel einer Jahrhunderte langen Verfolgung am Beispiel Ceija Stojka

Ramona Keim
Displaced Persons im Lager Weinsberg
Die ehemaligen Zwangsverschleppten und ihr Leben in Deutsch-land

Lena Weller
Sowjetzonenflüchtlinge und Aussiedler im Lager Weinsberg
Lebensbedingungen und Integration

Eike Bretz
Die Siebenbürger Sachsen in Deutschland – Eine mustergültige Integration

Anna-Katharina Remkes
Italiener in Deutschland – Migrations- und Integrationsgeschichte in Luigi Brognas Roman "Spätzle al dente"

Alexander Spöri:
Die Waldenser von Nordhausen
Ein Leben zwischen erzwungener Integration und Tradition

Die angemessene und ethisch korrekte Integration von Einwanderern in Deutschland ist derzeit ein oft diskutiertes, heikles Thema. Inwiefern sich Menschen mit Migrationshintergrund in die Gesellschaft eingliedern und sich ihr anpassen sollten, welche Einflüsse ihrer fremd wirkenden Kultur eine Bereicherung für ihr Einwanderungsland darstellen können und ob sie grundsätzlich dazu verpflichtet sind, die Sprache ihrer neuen Wahlheimat zu erlernen – das sind Fragen, die zwar aktuell, aber keineswegs neu sind. Besonders im Hinblick auf die Frage, ob Einwanderer per Gesetz zur Integration gezwungen werden dürfen und ob eine erzwungene Eingliederung in die Gesellschaft überhaupt gelingen kann, lohnt es sich, die Geschichte des Dorfes Nordhausen im Zabergäu zu untersuchen, das erst seit 1975 ein Ortsteil von Nordheim bei Heilbronn ist.
Nordhausen wurde im Jahr 1700 von einer Gruppe wandernder Waldenserfamilien gegründet, die nach der Aufhebung des Religions-Toleranzedikts von Nantes unter Ludwig XIV ihre Heimatdörfer im Piemont aus Angst vor einer Zwangskatholisierung verlassen hatten. Um ihnen die Ansiedlung in Württemberg so attraktiv wie möglich zu machen, wies Herzog Eberhard Ludwig ihnen einen Landstrich zwischen Nordheim und Hausen zu, aus deren Ortsnamen sich der spätere Name des Dorfes zusammensetzt: Nord-Hausen. Zusätzlich wurde den Waldensern das Privileg gewährt, ihren Schulunterricht und ihre Gottesdienste ihrer reformiert-protestantischen Tradition entsprechend zu gestalten, die französische Sprache in diesem Rahmen beizubehalten und ihrer Lehrer und Pfarrer selbst zu wählen. Da den Nordhausenern obendrein in den ersten 15 Jahren nach der Gründung des Ortes ihre Steuern erlassen wurden und diese von den Bürgern der beiden Muttergemeinden übernommen werden mussten, waren die Waldenser in ihrer neuen Heimat im Zabergäu bald verachtet und bildeten nach heutigem Verständnis eine klassische Parallelgesellschaft, vor allem aufgrund ihres ok-zitanischen Dialekts, dem sogenannten „Patois“ – die Parallele zur heutigen Integrationsdebatte ist unverkennbar.
Alle gewährten Privilegien der Waldenser wurden mit dem Königlichen Erlass von 1823 von König Wilhelm I aufgehoben. Eine separierte Gruppe von Immigranten schien nicht länger tragbar, vor allem, da der Schulunterricht der Waldenser in den Jahren zuvor starker Kritik ausgesetzt war. Nordhausen, das seiner geographischen Lage wegen von allen übrigen württembergischen Waldenserdörfern abgeschnitten und somit besonders isoliert war, wehrte sich besonders hartnäckig gegen diese Zwangsintegration. Auch wenn die Waldenser in Nordhausen nun gezwungen waren, ihre Gottesdienste und Unterrichtsstunden auf Deutsch abzuhalten und die Sprache ihrer neuen Heimat nach langer Separation zu erlernen, waren doch vor allem die älteren Generationen nicht dazu bereit, ihr Patois aufzugeben, und auch das Heiraten von Nichtwalden-sern aus Nordheim und der Umgebung wurde lange nicht geduldet.
Bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein beherrschte noch eine Hand voll äl-terer Nordhausener Bürger das Patois, das sich in der Zwischenzeit mehr und mehr zu einer Art „Geheimsprache der Alten“ entwickelt und an Popularität verloren hatte. Die Dauer der vollständigen Anpassung der Waldenser lässt sich auf ungefähr 150 Jahre datieren.
Bis zum heutigen Tag ist die bemerkenswerte Geschichte des Dorfes im Bewusstsein der Nordhausener verankert, wenn auch mit Ausnahme der Waldenserkirche, eines Dorfmuseums, mehrerer Denkmäler und -tafeln und der Architektur des Ortskerns nichts mehr an die frühere kulturelle Isolation erinnert.
Was sich aus der historischen Vergangenheit der Waldenser lernen lässt, wurde in Nordhausen bereits umgesetzt: In den frühen 1990er Jahren bildete sich eine Gruppe von Bürgern, die das Ziel verfolgte, bosnischen Flüchtlingsfamilien Nachbarschaftshilfe zu leisten, nachdem die Gemeinde Nordheim für diese einige Häuser in Nordhausen bereitgestellt hatte. Denn auch wenn Einwanderer in verschiedener Hinsicht dazu bewegt werden sollten, sich in die Gesellschaft einzugliedern, so erfordert eine gelungene Integration doch eine Menge Zeit und vor allem Toleranz von beiden Seiten.

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Franziska Wölfl
Australien - Gründungsmythos First Fleet

In meiner Seminararbeit habe ich mich nicht nur mit dem Schicksal eines einzelnen Menschen beschäftig, viel mehr faszinierte mich das Schicksal eines ganzen Kontinentes. Wie es dazu kam, das, siebzehn Jahre nachdem James Cook auf seiner Reise den Kontinent Australien zur Kolonie New South Wales erklärte und für England in Besitz nahm, Menschen auf den von Europäern zu diesem Zeitpunkt weder richtig erforschten noch besiedelten Kontinent am anderen Ende der Welt geschickt wur-den, mutet ein wenig wie ein gut ersonnene Geschichte an.
Die Deportation zur Zwangsarbeit war seit Anfang des 18. Jahrhunderts eine willkommenen Möglichkeit mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Zum einen konnten auf diese Art und Weise billige Arbeitskräfte in den Kolonien beschafft werden und zum anderen konnte die wachsende Unterschicht ausgedünnt werden. Doch mit der Unabhängigkeit der dreizehn nordamerikanischen Kolonien von England fiel diese bequeme Möglichkeit der Sozialpolitik schlagartig weg. Zu schlagartig um sie richtig ersetzen zu können, etwa durch den Bau neuer Gefängnisse. Es blieb nur ein Ausweg: Man musste einen neuen Ort finden. Die Suche nach diesem gestaltete sich aber schwierig und so blieb am Ende nur ein Ort, von dem niemand genug wusste um ihn von der Liste zu streichen: New South Wales. Alle Kenntnisse, die die Menschen in England zu jener Zeit über die Kolonie hatten, beruhten auf dem Expeditionsbericht von Cook und seinem Reisebegleiter Banks, die nur kurze Zeit an Land gewesen waren.
Es war also eine Reise ins Ungewisse für die knapp 1500 Menschen an Bord der First Fleet. Die Strapazen der Reise in den engen Lagerräumen der Schiffe, die nur notdürftig in Orte zur Unterbringung von Gefangenen umgewandelt worden waren, sind unbeschreiblich, dauerte die Reise alles in allem doch über acht Monate, von denen die härteste Zeit wohl jene kurz vor Ende der Reise darstellte, als die First Fleet über den südlichen Pazifik kreuzte und sich gegen die Winde aus den Polargebieten zu stemmen hatte, die ein Weiterkommen teilweise tagelang unmöglich machten.
Doch mit der Ankunft in New South Wales waren die Strapazen noch nicht überstanden. Zu den mangelnden Kenntnissen über ihre neue Heimat gehörte auch, dass keiner so genau wusste, wann man säen sollte um eine Ernte einfahren zu können, viel Vorräte für Experimente gab es nicht, da bereits auf der Fahrt mit der Rationierung begonnen werden musste.
Vor allem die Nahrung macht Probleme. Schädlinge wie Mäuse zerstören die erste Ernte so weit, dass kaum noch genug für die nächste Aussaat bleibt und die nächste Kolonie ist weit, so dass Vorräte nur mühsam nachgekauft werden können.
Das sind die immer stärker werdenden Probleme der Kolonie, die Ende 1789/ Anfang 1790 die Kolonie sogar auf der Kippe stehen lassen, da nicht einmal mehr die Todesstrafe von dem Diebstahl von Essen abhält, wenn der Magen nicht nur knurrt sondern richtig leer ist und keiner sa-gen kann ob und wann man das nächste Mal satt wird. Die Wende bringt das Eintreffen der zweiten Flotte deren erstes Schiff, die Lady Juliana, am 3. Juni 1790 in der Bucht auftaucht.
Auf der anderen Seite stehen die Erfolge der First Fleet. Die Offiziere, allen voran der Gouverneur Phillip, erforschen den neuen Kontinent, füllen Seiten mit den Beschreibungen der Eingeborenen, der Flora und Fauna und der geologischen Besonderheiten.
Es scheint als habe die Deportation geschafft, was in einem normalen Gefängnis nie so möglich gewesen wäre: Die Häftlinge aus dem krimi-nellen Kreislauf in ein normales Leben zurückzuführen. Wenn man sich die Akten der einzelnen Sträflinge durchliest, so steht bei vielen unter „Notizen“: „Er/Sie starb als geachtetes Mitglied der Gesellschaft.“ Etwas, das so in England bestimmt nie der Fall gewesen wäre. Ebenso wenig wie die kleine Anekdote der jungen Mary Reybold, deren Gesicht heute den Zwanziger in Australien ziert, die als Sträfling nach New South Wales kam und eine reiche und einflussreiche Geschäftsfrau wurde. Das ist das Spannende an Kolonien im allgemeinen und an Australien im Besonderen: Die Mittel – und Unterschicht kann, zumindest in den Gründungsjahren, alles hinter sich lassen, was ihr an Standesgrenzen in der alten Heimat auferlegt wurde, und nur durch die eigenen Fähigkei-ten alles schaffen.

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Viviane Niespor
Auswanderung im 18. Jahrhundert nach Nordamerika – Gottlieb Mittelbergers Bericht: Reise nach Pennsylvanien im Jahr 1750 und Rückreise nach Teutschland im Jahr 1754

Auswanderung aus Deutschland im 18. Jahrhundert war ein sehr großes Thema. Zum einen war Württemberg im 18. Jahrhundert das ärmste Land des deutschen Reichs. Dies war hauptsächlich auf die Missernten, die Wildschäden und die hohe Arbeitslosenrate zurückzuführen. Außerdem gab es anfangs des 18. Jahrhunderts ernorme Steuererhöhungen, die zur Finanzierung des Hofes, der Kriegskontributionen und der Fron-dienste benötigt wurden und das Reich wurde immer dichter bebaut. Die Einwohnerzahlen stiegen auf das Höchste und die Menschen verloren ihren Platz zum Anbauen und zum Leben. Dies alles führte natürlich zu schwierigen Lebensbedingungen und diese wiederum zur Aufmerksamkeit anderer Länder. Die Menschen wurden durch Berichte einiger Auswanderer, sowohl mündlich als auch schriftlich auf Nordamerika aufmerksam, wo es mehr Arbeiterbedarf, bessere Arbeits- und Lebensbedingungen und höhere Löhne gab.
Gottlieb Mittelberger, ein Enzweihinger Schulmeister und Organist, war einer dieser Auswanderer im 18. Jahrhundert. Er bekam 1750 das Angebot, eine Orgel, die in Heilbronn gebaut wurde in die Kolonie Pennsylvania zu begleiten. Dieses Angebot kam ihm in dieser Zeit sehr gelegen, da er einige private und auch berufliche Komplikationen hatte. So begab sich Mittelberger 1750 auf die viereinhalb Monate dauernde Reise nach Pennsylvania, wo er am 9. Oktober 1750 im Hafen von Philadelphia, Pennsylvanias Hauptstadt auch ankam. Mittelberger wurde damit beauf-tragt die Orgel vor Ort zusammenzubauen, zu stimmen und einzuspielen. Mit seinem Orgelspiel erregte er einiges an Aufsehen bei den Leuten rund um Philadelphia, da die Orgel etwas ganz Neues war. Hier baute er seine ersten Beziehungen auf. Ein Jahr nach seiner Ankunft wurde er dann, genau wie in seiner alten Heimat, zum Schulmeister und Organisten in der St. Michaelskirche. Er hatte trotz finanzieller Schwierigkeiten, da man als Schulmeister nicht so gut bezahlt wurde, ein sehr gutes Leben. Allerdings trugen seine Nebenberufe auch viel dazu bei, denn er be-schloss 1751, als Agent der Heilbronner Orgelspedition, auf Anfrage einiger Pennsylvaniaer den Transport insgesamt 5 Orgeln nach Pennsylvania zu arrangieren und gab nebenher auch noch Privatunterricht.
1753 wurde er aber aufgrund einer Affäre zu einer Schülerin seiner Schule entlassen, erhielt aber, um kein Aufsehen zu erregen, ein schönes Dienstzeugnis ausgestellt und wurde von seinen Diensten als Schulmeister und Organist entlassen, indem das Gerücht herumging, dass er zu wenig verdient und somit gekündigt hatte.
Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1754 verfasste er einen Reise-bericht über seinen Aufenthalt in Pennsylvania, der in die Reise selbst und in die Beschreibung des Landes Pennsylvania aufgeteilt ist. Er berichtet von seinen Erfahrungen und Erlebnissen, die er während seines vierjährigen Aufenthaltes gemacht hatte. Gewidmet ist dieser Bericht dem Landesherrn Herzog Karl Eugen, was vermuten lässt, dass dieser Bericht eine Art Auftragsschrift war, was jedoch nicht bewiesen ist.

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Kristina Epple
Handbücher für Auswanderer nach Nordamerika
Innerhalb der Jahre 1818-1851

Im Mittelpunkt meiner wissenschaftlichen Arbeit standen vier verschiedene Auswandererhandbücher aus dem 19. Jahrhundert. Diese galt es zu bewerten – waren es wirklich verlässliche Ratgeber oder nur täuschende Hoffnungsträger? Durch Untersuchung der Handbücher und des zugehörigen historischen Hintergrundes ergab sich, dass vor allem die Handbücher aus den Jahren 1829 und 1833 die Situation in Nordamerika doch etwas positiver darstellen, als es in Wirklichkeit der Fall war. Erklärbar wäre dies damit, dass die Regierungen Veröffentlichungen solcher Ratgeber zu dieser Zeit womöglich unterstützt haben, da man sich durch die Förderung von Auswanderung eine Besserung der Lage in Deutschland erhoffte.
Die Handbücher von 1818 und 1851 blieben dagegen doch etwas näher an der Realität. Die Verfasser aus dieser Zeit wollten vermutlich eher eine Hilfestellung für die Deutschen in Not bieten, da das Elend zu gegebenen Zeiträumen, aufgrund von Missernten und dem Scheitern der Revolution, sehr groß war.
Alles in allem lässt sich aber festhalten, dass die behandelten Handbücher (Gottfried Dudens Handbuch von 1829 ausgenommen) als recht gute Ratgeber zu beurteilen sind, da sie in vielen Punkten, wie bei den Empfehlungen, die sie an die verschiedenen Berufsgruppen abgeben oder auch bei der Beschreibung der Umstände in Amerika, realistisch bleiben und nur wenige Falschaussagen im direkten Vergleich mit dem historischen Kontext machen.

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Selina Heim
Eine erzwungene Auswanderung
anhand des Fallbeispiels Gottlieb Rau

Gottlieb Rau ist ein gutes Beispiel für eine erzwungene Auswanderung. Er wurde zu dreizehn Jahren Haft verurteilt, doch die Regierung begnadigte ihn, aber nur unter der Bedingung, dass er Deutschland sofort verlasse und unverzüglich nach Amerika auswandere. Gottlieb Rau wurde am 15. Januar 1816 in Dürrwangen, in einem Bauernhaus, geboren. 1839 übernahm er eine kleine Glasfabrik. Gottlieb Rau hatte zwei Charaktereigenschaften, die sein Leben bestimmten. Die eine Eigenschaft ist die Kühnheit und die andere Eigenschaft ist, dass er einen gewissen Hang zum Risiko hatte. Er wollt immer mehr erreichen, wollte immer bessere Glasfabriken besitzen. Deshalb verkaufte er die kleine Fabrik in Großerlach und kaufte zusammen mit seinem Kompagnon ein Gelände für 12 000 Gulden in Gaildorf. Die Produktion lief 1843 an. Trotz der schlechten wirtschaftlichen Lage hielt Rau die Produktion am Laufen, damit er seine Arbeiter nicht auf die Straße setzen musste. Trotzdem konnte er zu Beginn des Jahres 1848 den Stillstand der Fabrik nicht mehr verhindern. Er hatte schon bald einen Schuldigen gefunden: Den Staat. Und von diesem Augenblicke an war Rau der Staats Regierung feindlich gesinnt. Rau wartete auf seine Gelegenheit und diese kam im Februar 1848. Doch Rau musste sich vorerst dem Publikum in seiner Wirtschaft zufrieden stellen. Am 4. März 1848 stellte er eine Volksversammlung auf die Beine und am 12. März schaffte er es sogar, dass sich 1000 Menschen zusammenfanden. Von nun an war Gottlieb Rau Revolutionär. Der September war ein Monat des Volkes. Denn das Volk hatte Ziele: wirkliche Veränderung, ein neues, besseres Leben, Revolution im eigentlichen Sinne. Rau fasste den Entschluss ganz Württemberg in der folgenden Woche zu einem bewaffneten Zug nach Stuttgart aufzurufen. Am 24. September erzählte Rau dem Gemeinderat und dem Bürgerausschuss in Rottweil von seinen Plan. Inzwischen war die Zeit der Volksversammlung gekommen, zwischen 3000 und 4000 Menschen waren erschienen. Gegen Mittag waren ungefähr 1000 Männer auf dem Weg nach Stuttgart. Doch am Abend trafen in Balingen ernüchternde Meldungen ein. Im Unterland, meldeten zurückkommende Deputierte, sei alles ruhig geblieben. Von einem Sternmarsch auf Stuttgart zu könne keine Rede sein. Obwohl er in die Schweiz fliehen konnte, stellte er sich freiwillig den Behörden. Er wurde auf den Hohenasperg gebracht. Am 31. März stand das Urteil fest, Rau wurde zu 13 Jahren Haft verurteilt. Doch nachdem er drei Jahre abgesessen hatte, wurde er zur Auswanderung nach Amerika begnadigt. Er ging mit seiner Frau, mit seinem Sohn und mit seinen drei Töchtern hinüber nach Amerika. Dort eröffnete er in New York eine Gastwirtschaft. In das „Hotel Rau“ gingen sehr gerne deutsche Auswanderer, um dort einen Neustart zu wagen. In New York starb er dann schließlich am 2. Oktober 1954 im Alter von 39 Jahren.
Viele Deutsch die nach Amerika ausgewandert sind, wurden dazu gezwungen. Einerseits von der Regierung aber andererseits von der Wirtschaft. Denn viele Deutsche wanderten wegen wirtschaftlichen Motiven aus und wollten in Amerika eine neue Existenz aufbauen. Die Deutschen fügten sich auch sehr schnell in ihre neue Umgebung ein, doch die Akkulturation war ein sehr langwieriger Prozess. Die Deutschen gründeten Kirchen, deutsche Vereine und einige deutsche Schulen. Bei vielen Amerikanern entstand der Eindruck, dass die deutschen Einwanderer sich nicht eingliedern wollten. Dieser Eindruck entstand vor allem dadurch, dass die Deutschen eigene Organisationen in Amerika schufen. Zwar lebten die Deutschen in eigenen Wohnvierteln, aber nicht, weil sie eine Akkulturation vermeiden wollten, sondern weil ihnen der Zusammenhalt in der Gruppe den Anfang in der neuen Heimat erleichterte. Doch viele Deutsche lebten in Slums, und Familien zerbrachen an den Problemen, die ihnen der Existenzkampf im fremden Land aufzwang. Es war auch nur eine geringe Minderheit der Einwanderer, die es zu Reichtum brin-gen konnte. Doch die Mehrheit konnte sich eine sichere Existenz schaf-fen. Aber erst der zweiten und dritten Generation deutscher Einwande-rer gelang es eine vollständige Eingliederung in die amerikanische Gesellschaft. Das lag zum einen daran, dass sie als Arbeitskräfte gebraucht wurden, zum anderen aber auch an der Bereitschaft der Deutschen, sich in Amerika nicht nur eine materiell abgesicherte Existenz zu schaffen, sondern eine neue Heimat zu erwerben.

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Daniela Federsel
Adolf Cluss Goes America
Ein Deutscher gestaltet Washington

Adolf Cluss wurde am 14.Juni 1825 in Heilbronn geboren und starb am 24.Juli 1905 im Alter von 80 Jahren in Washington. Bereits mit 20 Jahren verließ der gelernte Handwerksgeselle seine Heimat in Richtung Mainz. Nach der gescheiterten 1848er Revolution kehrte er Deutschland den Rücken und wanderte nach Amerika aus. In Washington wurde er als Architekt gefeiert.
Wie erging es Adolf Cluss in den USA? Ist er ein Beispiel für eine gelungene Integration?
Zu Beginn seiner Auswanderung nach Amerika hatte Adolf Cluss seinen Aufenthalt in den USA noch als Übergangslösung angesehen. Er dachte nicht daran, sich anzupassen, da er nur auf den Ausbruch der Revolution in Deutschland wartete. Sobald dieser Fall eingetroffen wäre, wäre er sofort nach Deutschland zurückgekehrt. Doch zum Glück für ihn, wie sich jetzt nachträglich sagen lässt, ist das nie passiert.
Adolf Cluss erlitt erst einmal einen Kulturschock, als er mit der amerikanischen Mentalität konfrontiert wurde. Im Gegensatz zu den Deutschen sind Amerikaner viel offener, kommunikativer und hilfsbereiter. Die Gewöhnungsphase an die Verhältnisse in Washington fiel ihm besonders schwer, da er dort niemanden kannte, mit dem er sein Schicksal hätte teilen können.
Durch sein politisches Interesse schloss er Freundschaften zu Kommunisten und Mitgliedern des Turnvereins. Diese Verbindungen erleichterten ihm das Einleben erheblich, da er nun genug Freunde hatte, an die er sich wenden konnte.
Seine Integration begann allerdings erst wirklich, als er sich vom Kommunismus löste und stattdessen eine Familie gründete und amerikanischer Staatsbürger wurde. Ab diesem Moment richtete er seinen Fokus nicht mehr auf das Geschehen in Deutschland, sondern engagierte sich für Verbesserungen in Amerika.
In seinem Traumberuf Architekt erlebte er immer mehr Erfolge, sodass er in der Washingtoner Gesellschaft akzeptiert wurde. Durch seinen beruflichen Erfolg freundete er sich mit vielen einflussreichen Menschen an und wurde in die Washingtoner Oberschicht aufgenommen. Von da an waren er und seine Familie gern gesehene Gäste bei Tanzbällen und anderen Festivitäten der Oberschicht.
Für seine Wahlheimat USA leistete Adolf Cluss einen bedeutsamen Beitrag, indem er der Hauptstadt Washington zu neuem Glanz verhalf und sie modernisierte. Er prägte das Stadtbild und sorgte dafür, dass öffentliche Schulen gebaut wurden.
Auch in der Politik engagierte sich Adolf Cluss nach der Distanzierung vom Kommunismus für seine Wahlheimat. Bis an sein Lebensende war er ein überzeugter Republikaner, der sich für die Abschaffung der Sklaverei und für mehr Rechte für Arbeiter einsetzte. Adolf Cluss hat alles Menschenmögliche gemacht, um die Verhältnisse in Washington zu verbessern und die Stadt zu einem besseren Lebensraum für jeden zu machen.
Die deutsche Kultur hat Adolf Cluss dabei nie vergessen. Er engagierte sich für den Aufbau einer deutschen Gemeinde in Washington und genoss es, die deutsche Kultur in Form von Biergärten und Singvereinen in Ehren zu halten.
Es kann eigentlich kein vorbildlicheres Beispiel für eine gelungene Integration geben. Adolf Cluss hat sich einen amerikanischen Freundeskreis, eine Familie, die von der Gesellschaft in Washington akzeptiert wurde, und einen Beruf, in dem er große Erfolge feierte, aufgebaut. Außerdem setzte er sich für seine Wahlheimat sowohl in politischer wie auch in kul-tureller Hinsicht mit großem Engagement ein.

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Angelika Kircher
Wilhelm Pfänder- Ein Turnpionier aus Heilbronn in Amerika

„Sie gehören zur großen Zahl jener Pioniere, deren Ideale zu Leben, Religion und Staat die Entwicklung unserer westlichen amerikanischen Kultur erst ermöglichten“1
Wilhelm Pfänder, der „Grand Old Man of New Ulm“ (*1826 in Heilbronn), zählt zu diesen Turnpionieren, deren Leben die Turnerei maßgeblich geprägt hat.
Im Laufe seines Lebens war er an der Gründung von fünf Turnvereinen in Deutschland und in den Vereinigten Staaten beteiligt; davon bestehen heute noch vier Vereine.
Pfänder wanderte 1848 als Folge der Hungersnot und der schlechten wirtschaftlichen Lage des Landes nach Cincinnati- auch bekannt als „Mekka für deutsche Auswanderer“2 - aus. Aus diesem Grund ist auch die Behauptung nicht korrekt, ihn als ein Achtundvierziger zu bezeichnen, da er in Deutschland an keinen politischen Aktivitäten beteiligt war.
Im Laufe der Zeit bildete sich in Cincinnati eine deutsche Turngesellschaft, die nicht nur Turnübungen pflegte, sondern auch politisch in Erscheinung trat. Wilhelm Pfänder ermöglichte seinen Turnern die Gründung der Turnerstadt New Ulm, in der sie, entsprechend ihrer Vorstellung, ungestört unter sich leben konnten. Als Gründungsvater von New Ulm wählten ihn die Turner zum ersten Bürgermeister. Der Turnpionier aus Heilbronn bekleidete im Laufe seines Lebens zahlreiche öffentliche Ämter und kämpfte im Bürgerkrieg als Oberleutnant auf Seiten der Union, was die enge Verbindung und Amerika deutlich werden lässt.
Wilhelm Pfänder schrieb selbst Artikel, in denen er die Vorzüge der Turnerei für die Gesellschaft betont und die Turngemeinden ehrt, die durch ihre verschiedenen Aktivitäten und Verdienste dem Land so viel Gutes gebracht haben. Das Turnen verkörperte für ihn Freiheit und Lebenslust- ein Leben ohne Turnerei ist für ihn unvorstellbar, da in der Turnbewegung seine Identität liegt. In der Tat verhalf ihm das Turnen zu einer erfolgreichen Integration, weil er dadurch mit vielen neuen Tur-nern in Kontakt kam.
Auch heute verbindet man mit dem Namen Pfänder den Turnpionier und den „Grand Old Man of New Ulm.“ Die Gründung der Turner-Stadt New Ulm ist das Werk von Wilhelm Pfänder, der die Vision hatte, eine deutsche Siedlung für Turner in Amerika zu gründen. Ihm gelang es neben den schon vorhandenen amerikanischen Bestandteilen der Turnbewegung die Deutschen zu integrieren- der „American Turnerism“ entstand.
Dank Wilhelm Pfänder ist New Ulm heute für seine deutsche Herkunft bekannt. Die Turner und New Ulm können stolz sein auf ihren Turnpionier und Gründungsvater Wilhelm Pfänder, der so viele Dinge für die deutsch-amerikanische Turngesellschaft möglich gemacht hat.

1Müller, Hans, Ein Heilbronner Turner im Wilden Westen, in: Schrenk, Christhard (Hg.) Heilbronner Köpfe 2, Heilbronn,1999, S.79
2May G. L., Pfaender Leonholdt, W.: Memory´s Trail, 1954, Chapter 1

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Amelie K. Hofmann
Die Amisch - Glückliches Leben in Separation

Ist so etwas überhaupt möglich? Diesen Aspekt habe ich bei meiner Annäherung an die amische Geschichte, Kultur und ihre Lebensart näher ins Visier genommen. Sie bilden ein nahezu perfektes Beispiel für eine von der heutigen Gesellschaft abgegrenzt lebende Gemeinschaft. Sie selbst wiegen sich in einer erfüllten Lebensweise - von der Außenwelt erklingen Stimmen, die ihnen eine begrenzte Denkweise, mangelhafte Bildung und Unfreundlichkeit vorwerfen.
In meiner Arbeit habe ich mir zum Ziel gesetzt, das Verhaltensmuster der Amisch zu untersuchen und gegenüber den Urteilsbildungen Außenstehender abzuwägen.

Die Amsch gingen aus der Täuferbewegung der Reformation im 16. Jahrhundert in der Schweiz hervor. Zunächst bekannt unter dem Namen ‚Mennoniten’, formten sie ihre Glaubensgrundsätze streng nach der Bibel und lehnten z.B Kindestaufe, Eidesleistung und jegliche Gewalt ab. Des Weiteren forderten sie eine strikte Trennung von Kirche und Staat. Dadurch gerieten sie in Konflikt mit den Obrigkeiten und wurden verfolgt, gefoltert und gemordet. Auf der Flucht retteten sich die ersten in nördlichere Gebiete bis in die Niederlande. Erst nach etwa einem Jahrhundert wurden sie in weiten Teilen Deutschlands als religiöse Gruppe eingegliedert. Jakob Amman, der die Verweichlichung des Glaubens fürchtete, forderte eine strengere religiöse Haltung. Diese und weitere Forderungen führten im Jahr 1693 schließlich zur Abspaltung der ‚Amisch’- Gruppe von den Mennoniten.
Geprägt von der wirtschaftlichen und sozialen Lage im Land und den nie völlig endenden Verfolgungen nahmen sie William Penns Angebot, nach dem sie in Freiheit und Toleranz leben dürften, an. Ein Großteil von ih-nen emigrierte auf diese Weise nach Amerika.
Eine zweite Welle von Auswanderern folgte Anfang des 19. Jahrhunderts, hervorgerufen durch die Französische Revolution. Die Zurückgebliebenen schlossen sich wieder ihren ehemaligen Glaubensbrüdern, den Mennoniten, oder anderen Gruppierungen an, bis sie als solche in Europa nicht mehr existierten.
Doch selbst in Amerika mussten sie früher oder später bei Diskussionen über Schulbildung, Steuerzahlung und Wehrdienst Rede und Antwort stehen. Der tolerante Staat und die Amisch erklärten sich dabei jedoch größtenteils kompromissbereit.
Bis heute leben die Amisch weitgehend isoliert von der sie umgebenden Gesellschaft. Weder Strom noch Automobile oder Telefone gehören zu ihrer Lebensweise. Sie tragen schlichte Kleidung, Hüte und Hauben; nach der Heirat lassen sich die Männer einen Kinnbart wachsen. Die Kinderzahl pro Haushalt beträgt selten weniger als fünf. Wie ihre Vorfahren bearbeiten sie ihre Äcker mit Pferd samt Pflug und sind in Kutschen (‚Buggys’) unterwegs. Natürlich stellt dies ein attraktives Ziel für Touristen dar. Die Amisch versuchen dem so weit wie möglich zu entfliehen, indem sie nur äußerst selten Gespräche oder Fotografien zulassen. Das lässt Meinungsbildungen aufkommen, die sie, unbeeinflusst von den Amische selbst, in besseres oder schlechteres Licht rücken.

Für die Amisch selbst ist es keine Frage der Integration oder Separation, sondern vielmehr ein friedliches vor- sich- hin- leben. Sie wollen ihren Glauben frei ausüben und dabei spielt es für sie keine Rolle wo sie dies tun können, sondern dass sie es können. Durch äußere Einflüsse war und ist ihnen dies jedoch nie wirklich möglich. Immer mehr werden sie vom Tourismus abhängig, der ihnen ein besseres Überlebenseinkommen bietet, als die Landwirtschaft. Moderne Techniken schleichen sich in Form von Münztelefonen und Gasbehältern in ihr traditionelles Leben. Solche Verlockungen führen zu immer liberaleren Abspaltungen von den Strenggläubigeren. Diese Gruppen konnten folglich nicht mehr glücklich in Separation’ leben. Die Verbleibenden hingegen halten sich von der heutigen Welt abgewandt und führen so ein friedfertiges Leben. Nur wie lange können sie sich noch den dominanten Einflüssen ihrer Umgebung entziehen? Ihre Populationsgröße bleibt dank der hohen Geburtenrate stetig. Doch wie ihre Zukunft aussieht, kann uns nur der Gang der Zeit offenbaren.

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Maximilian Reinhardt
Der Charakter der jüdischen Migration nach Palästina

Die jüdische Migration nach Palästina begann ab dem Jahre 1882. Zahlreiche Pogrome sorgten dafür, dass vor allem die Juden aus Russland und Osteuropa ihre Heimat verlassen mussten. Die meisten dieser Flüchtlinge wählten die USA als Ziel, die Sicherheit und einen hohen Lebensstandard versprach, im Gegensatz zu Palästina. Die wenigen, die dennoch ins Heilige Land auswanderten, benötigten einen triftigen Grund, um über all die Nachteile hinwegzusehen. Diese Gründe waren es, die sie von den anderen Flüchtlingen unterschieden und die die Migrationsbewegung prägten.
Die ersten Einwanderer waren dabei hauptsächlich religiös eingestellt, sie siedelten sich um die heiligen Städte, vor allem um Jerusalem herum an. Bereits vor diesen Migranten war eine sehr kleine jüdische Minderheit im Land gewesen, der sogenannte alte Jischuw. Die Mitglieder dieses alten Jischuw waren noch religiöser als die Einwanderer. Sie lebten im Heili-gen Land, um dort zu beten und zu sterben. Beide Gruppen ähnelten sich, es kam nicht zu Problemen.
Allerdings war schon während der ersten Einwanderungswelle, der ersten Alija, eine neue Ideologie in ihren Ansätzen erschienen, die für die folgende Zeit prägend sein sollte. Der junge Schriftsteller Theodor Herzl hatte eine Schrift herausgebracht, in der er die Errichtung eines jüdischen Staates als einzigen Ausweg aus der Gefahr des Antisemitismus be-schrieb. Dieser Gedanke war schon vorher vereinzelt geäußert worden, aber erst Herzl nahm ernste Anstrengungen an, ihn zu verwirklichen. Damit wurde er zur Leitfigur dieser neuen Ideologie, die sich Zionismus nannte (nach dem Jerusalemer Berg Zion). Als Ort der Gründung des neuen Staates wurde Palästina festgelegt und es wurde damit begonnen, Einwanderungen dorthin gezielt zu organisieren.
Der Zionismus war das prägende Motive der Einwanderer der zweiten Alija, die 1904/1905 begann. Diese neuen Einwanderer sprachen nun im Land von der jüdischen Staatsgründung und diskutierten teilweise offen, wie sich die arabische Bevölkerung aus dem Weg schaffen ließe. Damit zielten die Migranten auf eine komplette Umwälzung der politischen Verhältnisse ab. Die Migration besaß zu diesem Zeitpunkt einen sehr politischen, revolutionären Charakter, wenn nicht gar einen militanten, da die Einwanderer begannen, Verteidigungsorganisationen zu bilden, aus denen später die jüdische Miliz, die Hagana, hervorging. Der politische Charakter dieser Migranten wurde noch dadurch verstärkt, dass versucht wurde, in der neuen Gemeinschaft ein sozialistisches Lebensideal durchzusetzen, und politische Strukturen aufgebaut wurden.
Damit gibt es einen deutlichen Bruch zwischen der ersten und der zweiten Alija, dieser zog allerdings kaum direkte Folgen im Zusammenleben mit den Arabern nach sich, da die Zahl der Zionisten zu Beginn einfach zu gering war. Der Konflikt brach erst mit einer gewissen Verzögerung aus, an einem genauen Punkt lässt er sich nicht festmachen. Allerdings war er unausweichlich, da die Forderungen der Einwanderer eine Bedrohung für die arabische Bevölkerung darstellten.
Das Faszinierende an der zionistisch geprägten Migration ist, dass das Verhalten der Migranten einzigartig war: Es wäre unvorstellbar, dass beispielsweise italienische oder türkische Gastarbeiter in Deutschland offen von der Gründung eines eigenen Staates und der Verdrängung der lokalen Bevölkerung sprechen würden. Die Tatsache, dass diese Bemühungen in Palästina am Ende zum Erfolg führten, klingt aus diesem Blickwinkel nahezu unglaublich.
Zum Abschluss sei noch ein kleiner Ausblick in die Zukunft getan. Die Zahlen der Migranten erhöhten sich mit den weiteren Einwanderungswellen deutlich. Nach dem Holocaust und mehreren Unruhen und Revolten in Palästina, und da die Anzahl der Juden in Palästina mittlerweile sehr groß war, hatte die UNO ein Einsehen und erlaubte den Juden die Gründung eines eigenen Staates, womit diese ihr Ziel erreicht hatten. Der darauffolgende Krieg mit den Arabern und die Flucht und Vertreibung der Palästinenser bildeten die Grundlage des heutigen Nahostkon-flikts.

Zum Anfang

Carolin Engelhardt
Alltag, Auswanderung und Integration von Juden aus Deutschland während des Nationalsozialismus am Beispiel Lilo Guggenheims -

Lilo Guggenheim wurde 1921 in Göppingen geboren und wuchs in gu-ten Verhältnissen in einer jüdischen Familie mit zwei Stiefbrüdern auf, welche auch im Besitz von drei Warenhäusern war. Lilo erlebte so als Mädchen und junge Frau die Machtergreifung Hitlers und bekam nach und nach den immer größer werdenden Einfluss der Nazis auf das Alltagsleben der Juden mit.
Nach Übergriffen der Nazis wie dem Judenboykott 1933, dem Erlassen der Nürnberger Gesetze 1935, der Reichspogromnacht 1938 und dem geplanten Enteignen der Juden durch die Nazis, der so genannten „Arisierung“, um eine judenfreie Wirtschaft in Deutschland zu haben und die Juden durch ständige Diskriminierungen zur Auswanderung zu treiben, verließ Lilo als letztes der Kinder im August 1939 kurz vor Kriegsausbruch tatsächlich ihre Heimat.
Zunächst lebte sie bis 1946 in England, wo sie auch eine Ausbildung zur Krankenschwester machte, danach reiste sie auf Drängen ihres mittlerweile auch emigrierten Vaters zu ihm und ihrem Stiefbruder in die USA, wo sie mit ihrem Mann Melvin Levine auch heute noch lebt.
Aufgrund der Tatsachen, dass sich Lilo schnell die für sie noch recht un-bekannte Sprache angeeignet hat, eine Ausbildung im Ausland abschließen konnte und sich dort soweit eingelebt hat, dass sie dort heiratete, eine Familie gründete und in den USA so glücklich ist, dass sie auch heute noch dort lebt lässt sich in ihrem Fall definitiv von einer geglückten Integration sprechen.

Trotz des Schwerpunktes auf dem Leben der Familie Guggenheim suchte ich in meiner Seminararbeit noch den Vergleich zu einer anderen jüdischen aus Göppingen stammenden Familie, der Familie Heimann. Diese Familie stellt mit ihrem Schicksal den kompletten Gegensatz zu den Guggenheims dar. Zwar waren beide Familien im Besitz von Warenhäusern und bekamen mehr oder weniger stark die Machtübernahme der Nazis mit, jedoch konnte es den Heimanns nicht so einfach wie den Guggenheims gelingen, rechtzeitig aus Deutschland zu emigrieren. Als Gegenbeispiel zur Familie Guggenheim wurden sie mit den wenigen in Göppingen gebliebenen Juden 1942 ins Konzentrationslager deportiert, wo sie auch umkamen.

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Nadja Roger
Emigration der deutschen Juden zur Zeit des Dritten Reichs
Für viele ein Fluch, für wenige eine Segen

„Blitzartig wurde uns klar, daß wir in Deutschland nicht bleiben konnten. Wir begriffen, daß wir nicht mehr dazugehörten, obwohl man uns persönlich noch in Ruhen ließ.“1 So ging es vielen Juden in Deutschland, plötzlich war das, was vertraut war, das, was man verlassen musste. Die Politik nach der Machtergreifung Hitlers wurde mit der Zeit immer radikaler gegen Juden eingestellt. Sehr viele Menschen ließen sich einschüchtern und haben nichts dagegen gesagt. Die Leute waren noch müde vom Ersten Weltkrieg und erhofften sich endlich eine bessere Wirtschaft. Mit der Radikalisierung der antijüdischen Gesetze wurde es immer schwieriger zu emigrieren und der Macht Hitlers zu entgehen. Trotzdem schafften es einige wenige erfolgreich zu emigrieren.
„Meine Kindheit war für die Zeit, in der ich aufgewachsen bin, nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich aber war mein Glück. Ich bin nicht vergast, verbrannt, erschossen oder für medizinische Experimente mißbraucht worden. Es ist mir auch erspart geblieben, nach einem Massaker oder in einem Massengrab unter dem Gewicht der Toten begraben zu werden. […] Durch menschliche Güte und die Weitsicht einiger Menschen […] wurde mein Leben gerettet.“² Ruth L. David
Dieses Zitat zeigt dass sich jeder Einzelne, der es geschafft hat zu emigrieren, sehr wohl dessen bewusst ist, was er für ein Glück hatte im Gegensatz zu den „Anderthalb Millionen Kinder, wie ich eins war“, die „haben heute nicht mehr die Möglichkeit, sich ihren Lebenserinnerungen zu widmen.“ wie Ruth L. David richtig erklärt.
Einer von diesen erfolgreich emigrierten Juden war Henry Fröhlich, er schaffte es ein Visum nach Amerika zu bekommen und konnte dort durch große Eigeninitiative eine beachtliche Karriereleiter hinaufsteigen. Er fing mit kleinen Jobs an und rutschte durch Kontakte ins Import-Export Business, dort arbeitete er sich in der Fotoindustrie nach oben. Er entdeckte als einer der Pioniere die japanische Qualität von Fotografie-Produkten für den amerikanischen Markt und arbeitete sein Leben lang weiter im Fotobusiness.

1 Herausgegeben im Auftrag der Gesellschaft für Exilforschung/ Society for Exile Studies von Claus- Dieter Krohn, Erwin Rotermund, Lutz Winckler, Irmtrud Wojak und Wulf Koepke; Exilforschung; Ein internationales Jahrbuch; Jüdische Emigration zwischen Assimilation und Ver-folgung, Akkulturation und jüdischer Identität; Band 19; 2001; Text von Susanne Meinl; Stationen der Flucht aus Deutschland; S.50 – 2ebd., S.54

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Sarah Hanke
Roma im Nationalsozialismus - Gipfel einer Jahrhunderte langen Verfolgung am Beispiel Ceija Stojka

Die Roma stammen ursprünglich aus der früher einmal nordindischen Region Punjab, die heute in Pakistan liegt. Dort gehörten sie einer wahrscheinlich eher niederen Kaste an. In verschiedene Kriegen, bei denen ihr ehemaliges Gebiet erobert wurde, wurden sie versklavt, über die Jahrhunderte hinweg hatten sie immer wieder unter anderen Völkern gelitten, wie zum Beispiel unter den Griechen im Reich Alexander des Großen oder der Ghaznawiden- Dynastie. Als sich dann das Osmani-sche Reich, in dem die Roma ebenfalls als Sklaven gehalten wurden, ungefähr im 14. Jahrhundert nach Westen ausbreitete, nahmen sie selbstverständlich auch ihre Sklaven mit. Viele Roma hatten es satt, weiter in Sklaverei zu leben, und versuchten zu flüchten, was einigen auch gelang. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts hatten die Flüchtlinge dann Zentraleuropa erreicht. 1407 tauchten sie das erste Mal in der deutschen Literatur auf. In den verschieden europäischen Ländern bildeten sich Untergrup-pen wie zum Beispiel die Sinti in Deutschland. Die Roma wurden in Deutschland zu Anfang sehr freundlich als Gäste empfangen, diese Freundlichkeit hörte jedoch an dem Punkt auf, an dem die Roma begannen, Arbeit zu suchen oder sesshaft werden wollten. Deshalb hatten die Roma bald schon keine andere Wahl mehr als umherzuziehen. Logischerweise waren die Deutschen davon genau so wenig begeistert, und begannen wenige Jahrzehnte nach ihrer Ankunft eine regelrechte Jagd auf das fremde Volk. Die offizielle Verfolgung in Deutschland begann 1481, als der Reichstag in Freiburg beschloss die „Zigeuner“ aus Deutschland zu verweisen und jegliche Straftaten an ihnen wurden der Strafe entbunden. Im Laufe der Zeit forderten dann einige Herrscher in Europa dann doch die Sesshaftigkeit der Roma. Bis zum 19. Jahrhundert hatte sich in dem Verhalten den Roma gegenüber dann auch nicht viel geändert. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden dann erstmals Register für alle Roma angelegt, die öffentlich einsehbar waren. Mit der Weimarer Verfassung erhielten die Roma zumindest theoretisch vollwertige Bürgerrechte, die in der Praxis jedoch nicht umgesetzt wurden.
Als Hitler 1933 an die Macht kam, führte er eigentlich nur fort, was viele Herrscher vor ihm auch getan hatte, er grenzte die Roma aus und wollte sie nicht in seinem Reich haben, mit dem kleinen Unterschied, dass er das ganze noch um einiges steigerte, indem er die Vernichtung der Roma anstrebte. Im Nationalsozialismus wurden die Roma ähnlich wie die Juden zu Tausenden misshandelt und gedemütigt. Zu Beginn waren Hitlers Maßnahmen noch vergleichbar mit denen anderer Herrscher, doch als der Krieg immer näher kam, wurden sie erst versklavt, um der Kriegsindustrie zu dienen, um dann später ausgelöscht zu werden, entweder durch die totale Erschöpfung, den Gaskammern, dem Krematorium, durch Verhungern oder Krankheiten. Den Höhepunkt dieses grausamen Massenmordes stellte wahrscheinlich Himmlers Auschwitz-Erlass vom Dezember 1942, der besagte, dass alle „Zigeuner“, die sich noch im Reich befanden, sofort nach Auschwitz deportiert werden sollten, für alle, die das betraf, bedeutete es den ausweglosen Tod. Als das Kriegsende in Sicht war, töteten die SS-Offiziere in den Konzentrationslagern die Insassen so schnell sie nur konnte.
Nach dem Krieg hatten die Roma im Gegensatz zu den Juden sehr große Probleme, in der Gesellschaft als Kriegsopfer anerkannt zu werden. Da sie vor dem Krieg auch nie sonderlich beliebt gewesen waren und prinzipiell auch keine Heimat hatten, wollte sich auch kein Land wirklich für sie verantwortlich fühlen. Entschädigungszahlungen gab es für die meisten Roma bis heute nicht. Auch in unserer Gesellschaft sind die Roma noch eine nicht vollständig integrierte Minderheit, obwohl der Zentralrat der Roma sich bemüht, zum Beispiel mit dem Kulturzentrum in Heidelberg oder speziellen Ausstellungen, über das Schicksal ihres Volkes zu informieren.

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Ramona Keim
Displaced Persons im Lager Weinsberg
Die ehemaligen Zwangsverschleppten und ihr Leben in Deutsch-land

Displaced Persons (DPs) sind ehemalige Zwangsarbeiter, die während des Zweiten Weltkrieges in deutschen Betrieben arbeiten mussten, oder Zwangsverschleppte, meistens Osteuropäer, die man nach dem Krieg in Deutschland aufgefunden hat und die ohne Hilfe nicht in ihre Heimatländer zurückkehren konnten. Es waren ca. 6 Millionen Menschen ver-schiedenster Nationalitäten. Sie wurden von den Besatzungsmächten in Sammelunterkünften untergebracht, von wo aus sie repatriiert werden sollten. Das bedeutet, dass sie in ihre Heimatländer zurückgebracht werden sollten. Da dieses zu organisieren einige Zeit dauerte, wollten viele osteuropäische DPs, vor allem Polen, aus politischen Gründen nicht mehr zurück in ihre Heimat. Diese lebten dann viele Jahre in Lagern, wie zum Beispiel in Weinsberg. Dort führten sie, bis auf die überfüllten Wohnräume, ein relativ entspanntes Leben, da sie von Hilfs- und Wohlfahrtsorganisationen mit Nahrung und Kleidung versorgt wurden. Das Problem mit den überfüllen Wohnräumen nahm allerdings von Jahr zu Jahr ab, weil einige DPs repatriiert worden sind, oder in andere Lager umgezogen sind.
Sie mussten nicht arbeiten, führten aber ein kulturelles Leben mit Tanz-veranstaltungen und ausreichend Bildung für die Kinder. Das war in Weinsberg und auch in anderen Lagern so, denn Weinsberg ist ein Beispiel für ein typisches DP-Lager.
Ab 1947 hatten die arbeitsfähigen DPs auch die Möglichkeit in ein anderes Land auszuwandern, wie zum Beispiel in die USA oder nach Kanada. Dort konnten sie sich gut in der Wirtschaft und deshalb auch im alltäglichen Leben integrieren, anders als die in Deutschland gebliebenen DPs. Denn außerhalb des Lagers fand kaum ein Leben statt. Sie durften das Lager zwar verlassen, da sie keine Gefangenen mehr waren, aber von der Bevölkerung wurden sie dennoch meist nicht gut aufgenommen, sondern eher verachtet. Daran hatten sie zum Teil aber auch selbst Schuld, weil einige von ihnen die Bürger ausraubten und Tiere, Alkohol und Armbanduhren klauten. Deshalb lebten sie in den Lagern separiert von der deutschen Bevölkerung. Ein kleiner Teil der DPs waren bei Deutschen beschäftigt, aber nicht sehr viele, da sie die ersten fünf Jahre von den Hilfsorganisationen kostenlos versorgt wurden. Als das Lager aber unter deutsche Verwaltung kam, wurden Mieten erhoben und jeder musste selbst für Essen und Kleidung aufkommen. Von diesem Zeitpunkt an suchten mehr DPs eine Arbeit, da sie irgendwie ihre Familie versorgen mussten. Die DPs, die arbeitsunfähig waren, aufgrund von Krankheiten oder des Alters, bekamen vom Staat Sozialhilfe, die aber nur sehr gering war. Nach und nach wurden Wohnblocks gebaut, damit die DPs in hochwertigeren Wohnungen leben konnten.
Die meisten DPs verbrachten in Deutschland ein besseres Leben, als in ihren Heimatländern, wie zum Beispiel Polen, weil sich die politische Situation im Laufe der Jahre geändert hatte und sich viele wieder ganz von vorne etwas aufbauen mussten.

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Lena Weller
Sowjetzonenflüchtlinge und Aussiedler im Lager Weinsberg.
Lebensbedingungen und Integration

Von 1953 bis 1972 gab es in der Stadt Weinsberg ein Landesdurchgangslager für Sowjetzonenflüchtlinge und Aussiedler. Aufgrund der politischen Situation in Ostdeutschland und den ehemaligen deutschen Ostgebieten, die unter polnischer bzw. russischer Verwaltung standen, gab es einen großen Flüchtlingsstrom in die Bundesrepublik Deutschland.
Menschen aus unterschiedlichen Regionen, mit unterschiedlichen Erlebnissen und Lebensgeschichten, lebten gemeinsam in einer der ca. 34 Baracken des Weinsberger Landesdurchgangslagers. Die Baracken waren zu Beginn lediglich mit Betten, Tischen, Stühlen und Kästen ausgestattet. Um den Bewohnern einer Baracke ein wenig Intim- und Privatsphäre zu gewähren, wurden innerhalb einer Baracke Teppiche eingezogen. Diese Teppiche ermöglichten es vor allem Familien einen eigenen, abgetrennten „Raum“ zu haben.
Als das Lager eröffnet wurde, war es sehr schnell überfüllt. Dementsprechend schlecht waren dort die Lebensbedingungen. Je länger es das Lager für Sowjetzonenflüchtlinge und Aussiedler in Weinsberg gab, desto besser wurden auch die Lebensumstände und Lebensbedingungen. 1963 hatten die Baracken bereits ihre eigenen Räume, die durch eingezogene Wände abgetrennt waren.
Um den Bewohnern und vor allem den Kindern die Möglichkeit zu geben, ein möglichst normales Leben zu führen, wurden im Lager eine Lagerschule und ein Kindergarten eingerichtet. Zusätzlich dazu wurden, zu einem späteren Zeitpunkt, eine Kirchenbaracke und ein Jugendhaus gebaut. Zur Auflockerung des Alltags der Menschen im Lager für Sowjetzonenflüchtlinge und Aussiedler wurden zum Beispiel an Weihnachten Weihnachtsfeiern organisiert.
Da die Weinsberger Bürger den Bewohnern des Lagers eher abgeneigt waren, wurden ebenfalls für die Weinsberger Bürger Themenabende organisiert, die den Weinsbergern das Leben hinter dem „Eisernen Vorhang“ näher bringen sollte. Die Aufenthaltsdauer im Lager Weinsberg divergierte sehr stark zwischen wenigen Wochen bis zu drei Jahren. Auch das Arbeiten im Lager war möglich. Vor allem in den benachbarten Gärtnereien und in den Fabriken der Region waren die Bewohner beschäftigt.Die jüngeren Kinder verbrachten ihren Tag morgens in der Schule und mittags spielten sie gemeinsam mit den anderen Kindern im Lager und gingen im Sommer gemeinsam ins nahe gelegene Freibad nach Weinsberg. Die älteren Kinder mussten, um ihre Eltern zu unterstützen, tagsüber auf dem Feld oder in Fabriken arbeiten.
Ob Kontakt zu den Weinsberger Bürgern zu Stande kam, war abhängig von verschiedenen Faktoren. Wichtig war vor allem, ob man eine Arbeit und dort Kontakt zu Weinsberger Bürgern hatte oder ob man im Lager lebte und Geld vom Staat bekam. Zusätzlich waren schulpflichtige Kinder ein weiterer Vorteil für eine schnelle Integration. Denn so kamen Weinsberger Kinder ins Lager, Kinder die im Lager lebten besuchten ihre Freunde in Weinsberg und luden sich gegenseitig zu Geburtstagen ein. So bekamen auch die Eltern automatisch Kontakt zu einheimischen Eltern, Familien, Vereinen und anderen Institutionen.
Sprachliche Probleme gab es kaum, da die Sowjetzonenflüchtlinge und Aussiedler alle Deutsch sprachen. Der wohl bekannteste Bewohner des Weinsberger Lagers war der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler.
Für die Recherchearbeiten meiner Arbeit kontaktierte und interviewte ich mehrere Zeitzeugen. Die Zeitzeugen schilderten mir in ausführlichen Gesprächen ihre Erlebnisse und Erinnerungen an das Lager. Außerdem fand ich in mehreren Archiven wertvolle Quellen.

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Eike Bretz
Die Siebenbürger Sachsen in Deutschland – Eine mustergültige Integration

Die Siebenbürger Sachsen sind ein deutscher Volksstamm, der im heutigen Rumänien ansässig ist, von dem die Mehrheit des Stammes aber in westlichen Ländern lebt. Vor allem in den Jahren ab 1970 kamen sie nach Deutschland und wurden dort integriert.
Die Integration der Siebenbürger Sachsen in Deutschland war eine gelungene Integration. Die Kinder der Generation um 1989 lassen sich heute nicht mehr von anderen schon seit Jahrhunderten in Deutschland lebenden Familien unterscheiden. Sie beherrschen die deutsche Sprache, weil sie diese in Siebenbürgen seit Beginn ihrer Geschichte pflegten, und wurden ein Teil der deutschen Gesellschaft. Dennoch haben sie es geschafft, mit ihren Landsmannschaften ihre Traditionen und die Eigenhei-ten ihrer Kultur zu bewahren. Die Migration der Siebenbürger Sachsen unterscheidet sich stark im Vergleich mit anderen Aussiedlern und heuti-gen Migrationen. Im Vergleich zu anderen Aussiedlern, wie z.B. Russland-Deutschen, hatten die Siebenbürger Sachsen noch deutsche Schulen. Sie sprachen auch untereinander weiterhin Deutsch und bewahrten auch die deutsche Kultur. Andere Aussiedler hatten schon länger keine deutschen Schulen mehr und hatten auch Elemente anderer Kulturen übernommen.
Einen deutlichen Unterschied stellt man im Vergleich mit heutigen Einwanderern fest. Sie beherrschen selten die deutsche Sprache und können sich nur schwer mit der deutschen Kultur identifizieren. Außerdem fehlt oft die Kenntnis der deutschen Geschichte. Viele Zuwanderer sind keine Fachkräfte, die in der heutigen Zeit aber dringend gebraucht werden. Resümierend lässt sich sagen, dass die Integration der Siebenbürger Sachsen gelungen war, aber ein Sonderfall bleibt, der nicht unbedingt typisch für die heutige Zeit ist.

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Anna-Katharina Remkes
„Italiener in Deutschland – Migrations- und Integrationsgeschichte in Luigi Brognas Roman "Spätzle al dente"

Luigi Brogna zieht als Kind von Gastarbeitern im Januar 1971 mit seiner Mutter und zwei Geschwistern nach Eislingen zu seinem Vater, der schon längere Zeit in Deutschland wohnt um hier zu arbeiten.
Die Migration der Italiener – meist aus südlichen Gebieten auf Grund von katastrophalen Zuständen in der Wirtschaft - lässt sich grob in sieben Phasen unterteilen. Die Datumsangaben sind reine Anhaltspunkte. Die Phasen laufen permanent weiter und parallel nebeneinander her, allerdings gibt es Zeiten an denen sich charakteristische Merkmale häufen:
Phase 1: Anwerbung (1955-1960)
- In Deutschland boomt die Wirtschaft ' können Arbeitskraftbedarf nicht decken ' Anwerben im Ausland
Phase 2: Arbeitsmigration (1961-1966)
- Römische Verträge treten in Kraft ' Freizügigkeitsrecht für Staatsangehörige Der EWG ' freie Wahl des Wohn- und Arbeitsortes
Phase 3: Familiennachzug (1968-1974)
- Ab 1968 keine Arbeitserlaubnis mehr für Aufenthalt in Deutsch-land ' Familiennachzug leicht realisierbar
- 1973: Anwerbestopp ' Familiennachzüge um Aufenthalt zu sichern
- Brognas Nahzug fällt auf Grund zeitlicher und inhaltlicher Merkmale in diese Phase
Phase 4: Kettenmigration (1975-1982)
- Pioniermigranten motivieren Angehörige des primären Personenumfelds durch persönliche Informationen (Verdienstmöglichkeiten, Bedingungen) zum auswandern
Phase 5: Dauerhafte Niederlassung oder Rückkehr (1983-1992)
- 1983: Rückreisegesetz ' finanzielle Unterstützung für Rückrei-sende ' Finanzieller Köder bestimmt Abreisedatum
- War bis 1983 keine Reise geplant blieben Italiener in Deutschland
Phase 6: Transnationalität (1993-1999)
- Pendeln zwischen Deutschland und Italien ' zeitweise Aufenthalte von Kindern in ital. Schulen
- Rentner der ersten Migrationsgeneration kehren ganz/zeitweise zurück
Phase 7: Einbürgerung (seit 2000)
- Ab 2000: Staatsangehörigkeitsgesetz für 2. Generation ' Neugeborene oder unter zehnjährige Kinder haben Möglichkeit auf deutsche Staatsbürgerschaft, auch Kinder deutsch-italienischer Eltern
- Umfassende Einbürgerung von Italienern in Deutschland ist vorhersehbar

Man kann die Integration der Italiener in Deutschland durchaus als gelungen bezeichnen, obwohl sich z.B. durch Kettenmigrationsprozesse soziale Beziehungen aus Italien über die Grenze nach Deutschland verlegt wurden. Dieser Aspekt, aber auch die besonderen historischen, ökonomischen und kulturellen Merkmale machen Italiener zu einer besonderen Zuwanderungsgruppe. Die gelungene Integration lässt sich durch die vielen deutsch-italienischen Hochzeiten, Freundschaften, aber auch durch die Präsenz ihrer Kultur in der deutschen beweisen.
Die Integration der Italiener war natürlich nicht immer so gelungen, wie sie es heute ist. Als die ersten Italiener nach Deutschland kamen, reagierten die Deutschen nicht sehr positiv auf die Fremden. Fremdenhass und Ausgrenzung kam ihnen von den Deutschen entgegen. Die Integration war erst vollständig gewährleistet, wenn einige Aspekte wie z.B. das Erlernen der deutschen Sprache oder die Verbundenheit mit der Kultur gewährleistet war:

Luigi Brogna zeigt dem Leser seines autobiographischen Romans "Spätzle al dente" diesen Weg bis hin zur Integration und die damit verbundenen Probleme. Nebenbei zeigt er uns auch Einblicke in das Leben von fünf anderen Migranten anhand von Ein- und Rückblicken.

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